#016 CVAG testet Erdgas-Hybridbus

Ab 04.02.2020 ist im Chemnitzer Linienverkehr für voraussichtlich einen Monat ein Testfahrzeug der Augsburger Verkehrsbetriebe zu sehen. In der ersten Einsatzwoche wird der mit Erdgas statt Diesel betriebene Citaro 2 III G NGT hybrid des Herstellers EvoBus auf den Linien 21, 52 und 32 eingesetzt. Auf diesen Linien sind für gewöhnlich die MAN-Erdgasbusse der CVAG unterwegs. Vermutlich nicht zuletzt wegen der Steigungen im Chemnitzer Liniennetz wird vor der Erwägung einer erneuten Ausschreibung von gasbetriebenen Bussen eines der aktuellen Modelle auf Herz und Nieren geprüft.

Der Testwagen mit der Augsburger Nummer 3613 erhielt für die Zeit seines Einsatzes in Chemnitz die Betriebsnummer 222. Von außen zeichnet sich das Fahrzeug durch eine große Abdeckung auf dem Fahrzeugdach aus, unter der sich die Gasflaschen befinden. Ebenfalls dürften den Fahrgästen die roten und grünen LED-Leisten unter den Türen auffallen, die Einstieg und Ausstiege als solche kennzeichnen sollen. Im Inneren weist eine grüne Leuchte über den hinteren Türen darauf hin, dass die Tür an der nächsten Haltestelle automatisch öffnet. Auf LED-Scheinwerfer hat die AVG verzichtet, das Kurvenlicht ist jedoch erstmals bei Mercedes-Benz serienmäßig in LED-Technik verbaut.


Der Fahrer kann sich über eine Berganfahrhilfe (automatische Haltestellenbremse), zentrales Türöffnen- und schließen sowie neuartige Türtaster freuen. Ein Kassensystem für VMS-Tickets wurde jedoch nicht installiert. Im Gegensatz zu älteren Gasbussen soll das Fahrzeug beim Beschleunigen wesentlich direkter reagieren. Im ersten Gang bemerkt man die geringere Leistung im Vergleich zum Dieselmodell ein wenig, was an der Beschaffenheit des Kraftstoffs Erdgas liegt. Das 4-Gang-Getriebe des Herstellers Voith gleicht dieses Phänomen durch hohe Drehzahl im ersten Gang aus, wirkt aber nicht optimal abgestimmt. Das führt zu einigem Ruckeln während der Schaltvorgänge, die besonders im Vorderwagen zu spüren sind.

Für mehr Sicherheit beim Abbiegen nach rechts soll der Sideguard Assist, ein Radarsensor hinter der Vorderachse, sorgen. Wenn Fahrradfahrer oder Fußgänger sich im Sensorbereich befinden, werden im Display und in der A-Säule Leuchtmelder aktiviert. In akuten Fällen leuchten diese rot und der Fahrersitz beginnt zu vibrieren.


Der aufgeräumte Innenraum bietet dem Fahrgast neben Glasdachluken für mehr Licht im Fahrzeug auch große Informationsdisplays in beide Richtungen. In das Augsburger System konnten nicht nur die Liniennummer und das Ziel sondern auch alle Haltestellen mit entsprechenden Ansagen integriert werden, was für Testfahrzeuge relativ untypisch ist. Zum Laden der mobilen Endgeräte der Passagiere verfügt der Bus über mehrere USB-Buchsen im Innenraum. Im hinteren Bereich ist eine deutliche Reduktion der Motorlautstärke im Vergleich zum Dieselpendant zu verzeichnen, was sicher unter anderem an dem verbauten Mild-Hybrid-Modul liegt, welches Bremsenergie rekuperieren und zwischenspeichern kann. Damit wird der Erdgasmotor entlastet und dreht subjektiv ruhiger als gewöhnlich.