#017 RVE-Neuwagen 2019

Nach etlichen Jahren der Beschaffung reiner Dieselfahrzeuge hielt die Ausschreibung der RVE-Linienbusse 2019 eine Besonderheit bereit. Neben 20 konventionell angetriebenen Niederflurbussen sollten erstmals auch fünf Hybridfahrzeuge zur Verjüngung des Fuhrparks beitragen. Den Zuschlag für dieses Los gewann der (ebenso wie MAN) zum Traton-Konzern gehörende Hersteller Scania. Damit fährt ab sofort die deutschlandweit erste Serie aus Scania-Hybridbussen im Erzgebirge. Die fünf Scania Citywide LE Hybrid haben die Betriebsnummern 9911 bis 9915 erhalten und wurden dem Standort Zschopau aufgrund seiner Scania-Vertragswerkstatt zugeordnet. Eines der Fahrzeuge soll später jedoch als Testwagen in anderen RVE-Niederlassungen eingesetzt werden.
Im Heck verbaut ist ein 320 PS starker Scania-Dieselmotor mit 9 Litern Hubraum und lediglich 5 Zylindern. Da es sich um ein Parallel-Hybridsystem handelt, wird der Dieselmotor von einem Elektromotor mit 130 kW unterstützt, um im optimalen Drehzahlbereich arbeiten zu können. Auch die Bremsenergie kann mittels Rekuperation zurückgewonnen sowie in Lithium-Ionen-Akkus mit 1,2 kWh zwischengespeichert werden. Der Fokus der gesamten Fahrzeugkonzeption liegt spürbar auf Kraftstoffeffizienz, wozu auch die Start-Stop-Automatik einen Teil beiträgt. Im Kurzzeittest waren bereits Einsparungen feststellbar: etwa 26 Liter Dieselverbrauch auf 100 Kilometern sind mit einem reinen Dieselbus selbst bei betont sparsamer Fahrweise praktisch nicht erreichbar.
Auch auf Sicherheitsausstattung wurde Wert gelegt. Das Tagfahrlicht umfasst typisch skandinavisch auch die Positions- und Heckleuchten. Die gesamte Außenbeleuchtung inklusive der Hauptscheinwerfer ist erstmals in LED-Technik ausgeführt. Darüber hinaus verfügt der Bus über ein Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP). Für das sichere Verlassen des Fahrzeugs bei Dunkelheit wurde vom Hersteller über der hinteren Außenschwenktür eine Spotbeleuchtung für den Außenbereich vorgesehen.

Nach kurzer Eingewöhnung in die Besonderheiten zeigt sich auch der Großteil der Fahrer vom neuen Fahrzeugtyp überzeugt. Konkret bietet der Bus dem Fahrer vergleichsweise viel Platz hinter dem Lenkrad und reichlich Stauraum über den Radkästen der Vorderachse. Das vollautomatisierte Schaltgetriebe Scania Opticruise mit 12 Gängen verspricht für einen Niederflurbus außergewöhnlich weiche Schaltvorgänge.
Der Fahrgast profitiert vor allem von großzügigen Gepäckablagen im vorderen Fahrzeugteil. Besonders in ihrer Mobilität eingeschränkte Fahrgäste dürften die podestfreie Gestaltung der vorderen Sitzplätze begrüßen, die den Scania gerade für den Stadtverkehr attraktiv macht. Kleineren Fahrgästen kann der Blick aus dem Seitenfenster durch die niedrigen Sitze allerdings schwerfallen. Auf längeren Überlandfahrten bietet sich daher der über wenige Stufen erreichbare Abschnitt hinter der zweiten Tür an. Er verfügt über erhöhte Sitzpositionen für den Fahrgast, ähnlich wie in einem Reisebus. Diese Low-Entry-Bauweise ermöglicht darüber hinaus eine verbesserte Geräuschdämmung des Motorraumes, was in Kombination mit dem Hybridantrieb und 12-Gang-Getriebe zu einem rundum komfortablen Reiseerlebnis führt.

Das übliche Klappern und Poltern der Innenverkleidung fällt auch bei diesen Fahrzeugen auf, soll sich unter Umständen jedoch mit der Zeit noch durch Justierungen seitens der Werkstatt beheben lassen. Aber auch die Innenbeleuchtung wirkt im Vergleich zu der aus den neueren MAN-Fahrzeugen gewohnten Spot-Beleuchtung nicht mehr zeitgemäß. Ein großes Plus für längere Strecken stellen die über Kopf angebrachten USB-Buchsen zum Laden mobiler Geräte dar. Ebenso sind die Busse mit einem WLAN-Hotspot und einem großen TFT-Informationsbildschirm ausgestattet.

Die oben genannten 20 Dieselbusse vom Typ MAN Lion's City Ü verfügen dagegen über weitgehend identische Ausstattung zur Vorjahresbeschaffung. Lediglich am Heck ist eine Anhängerkupplung verbaut sowie Halterungen für einen Fahrrad- oder Gepäckaufbau. Auch die genannten TFT-Monitore und WLAN-Hotspots findet der Fahrgast im Dieselpendant wieder. Die Wagen haben die Nummern 8712 bis 8731 erhalten und wurden auf fast alle übrigen Standorte verteilt.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0